DIW Bericht: Riester-Rente erfüllt nicht das Ziel!

 letztes Update: 19.10.2021
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Die Riester-Rente als Auslaufmodell?

Nach einem Bericht vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung aus Oktober 2021 verfehlt die Riester-Rente ihr Ziel. Insbesondere Geringverdiener und Menschen mit Phasen längerer Arbeitslosigkeit nutzen die Riester-Rente so gut wie gar nicht, um für das Alter vorzusorgen. Gerade diesen Gruppen droht eine Altersarmut.

Die Riester-Rente erreicht nicht diejenigen, die sie am dringendsten brauchen würden. Ihr Ziel, das sinkende Rentenniveau abzufedern und den Lebensstandard auch im Alter zu sichern, verfehlt sie somit weitgehend.

 Peter Haan, Studienautor

Anteil derjenigen mit Riester-Vertrag stagniert

Der Anteil der Bundesbürger bis zum Alter von 65 Jahren, der einen Riester-Vertrag abgeschlossen hat, liegt seit 10 Jahren bei etwa 25 %.

Die private Altersvorsorge geht auf Krücken und braucht dringend einen Neustart. Das Experiment, die private Altersvorsorge in die Hände der Finanz- und Versicherungswirtschaft zu geben, ist gescheitert.

 Klaus Müller, Vorstand der Verbraucherzentrale Bundesverband

Müller wies auch darauf hin, dass die gesetzliche Rente gestärkt werden müsse und es einen Neustart der privaten Altersvorsorge mit einem öffentlichen Vorsorgefonds nach schwedischem Vorbild bedürfe. Einen ähnlichen Vorschlag machte die FDP im Wahlkampf im Hinblick auf eine Aktienrente, ebenfalls mit Schweden als Vorbild. Die noch von der rot-grünen Regierung Anfang der 2000er Jahre eingeführte Riester-Rente steht schon lange im Kreuzfeuer der Kritik. Zwar fördert der Staat diese mit Zuschüssen und steuerlichen Vorteilen. Die Riester-Rente hat aber eine relativ hohe Kostenquote und ist bürokratisch. Einige Versicherer haben bereits angekündigt, zukünftig keine neuen Riester-Verträge mehr anzubieten.

Starker Reformbedarf

Der Co-Autor der Studie, Markus Grabka sagte: „Die Riester-Rente muss grundlegend reformiert werden. Die Riester-Rente sollte am schwedischen Modell der privaten Altersvorsorge ausgerichtet werden.“ In Schweden sei eine private Altersvorsorge verpflichtend. Dort werde vom Staat ein genormtes Produkt für die Altersvorsorge mit geringer Kostenquote angeboten. Die Rendite liege dabei deutlich über zahlreichen Riester-Altersvorsorgeprodukten in Deutschland. Dabei wäre es erstrebenswert, wenn sichergestellt sei, dass auch Arbeitslose und Geringverdiener in der Lage wären die entsprechenden Beiträge zu leisten, z.B. mit Hilfe von staatlichen Subventionen.

Auftrag für neue Bundesregierung

Im Rahmen der Verhandlungen zu einer möglichen Ampel-Koalition sind alle Beteiligten aufgerufen, die Riester-Rente grundlegend zu überarbeiten und einen Neustart mit einem öffentlichen Vorsorgefonds nach schwedischem Vorbild herbeizuführen.