Gesundheit und Stickstoffdioxid (NO2) – Diesel als Gefahr?

 letztes Update: 17.11.2021
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Gesundheit und Stickstoffdioxid (NO2) – Diesel als Gefahr?Gesundheit und Stickstoffdioxid (NO2) – Diesel als Gefahr?

Diesel-Fahrzeuge als Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung

Spätestens seit Bekanntwerden des Dieselskandals durch den Wolfsburger Autobauer VW im September 2015 hat das Thema der Luftreinheit deutschlandweit an Relevanz gewonnen. Diverse Autohersteller wie BMW, Opel und Mercedes-Benz statteten ihre Diesel-Fahrzeuge mit Abschalteinrichtungen aus, damit diese die Stickstoffdioxid-Grenzwerte auf dem Prüfstand einhalten. Im realen Straßenbetrieb fällt der Schadstoffausstoß hingegen oft um ein Vielfachfaches höher aus. Welche gesundheitlichen Gefahren überhöhte Stickstoffdioxidwerte mit sich bringen, erfahren Sie hier.

Stickstoffdioxid (NO2) – Was ist das und wie entsteht es?

Sowohl Stickstoffdioxid (NO2) als auch Stickstoffmonoxid (NO) zählen zu den Stickstoffoxiden (NOx). Stickstoffoxide (NOx) werden zwar überwiegend als Stickstoffmonoxid (NO) emittiert, oxidieren aber anschließend atmosphärisch zu Stickstoffdioxid (NO2). Deswegen werden Emissionsangaben von Stickstoffoxiden (NOx) als NO2 berechnet. NO2 entsteht insbesondere bei Verbrennungsprozessen in Motoren und Anlagen und ist ein Reizgas mit stechendem Geruch. Das reaktive Reizgas wird über die Atmung aufgenommen und kann zu Entzündungen in den Atemwegen führen.

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Diesel-Autos als Hauptverursacher

Städte und Ballungsräume haben im Vergleich zu ländlichen Gebieten mit höheren Luftschadstoffkonzentrationen zu kämpfen. Die höchsten NO2-Werte werden dabei an viel befahrenen Straßen und Verkehrsknotenpunkten gemessen – denn die NO2-Hauptquellen sind Diesel-Motoren. Verkehrsnahe Messstationen ermitteln zum Teil NO2-Jahresmittelwerte von 60 Mikrogramm pro Kubikmeter (µg/m³) oder mehr. Etwa 65 Prozent der NO2-Emissionen des Verkehrs sind auf Diesel-Pkw zurückzuführen.

Aktuelle Grenzwerte

Seit 2010 gelten deutschlandweit verbindliche NO2-Grenzwerte. Die Stickstoffdioxid-Belastung der Außenluft darf nicht mehr als 40 Mikrogramm pro Kubikmeter (µg/m3) im Jahresdurchschnitt betragen und der über eine Stunde gemittelte NO2-Grenzwert von 200 µg/m3 darf nicht häufiger als 18 Mal im Jahr überschritten werden. Die Werte wurden von der Europäischen Kommission anhand von Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) festgelegt und die EU-Richtlinie (2008/50/EG) mit der 39. BImSchV auf nationaler Ebene umgesetzt. Im September hat die WHO eine neue Leitlinie veröffentlicht, nach welcher eine Senkung des NO2-Grenzwerts auf 10 µg/m3 empfohlen wird. Spannend ist, ob die EU-Richtlinie an die Empfehlungen angepasst wird. Dies dürfte zu weiteren und strengeren Fahrverboten in städtischen Bereichen deutschlandweit führen.

Systematische und anhaltende Überschreitung der Grenzwerte

Mit Urteil vom 3. Juni 2021 (C-635/18) stellte der Europäische Gerichtshof (EuGH) betreffend eine Vertragsverletzungsklage der Europäischen Kommission fest, dass Deutschland den Jahresgrenzwert für Stickstoffdioxid in 26 von 89 beurteilten Gebieten und Ballungsräumen vom 1. Januar 2010 bis einschließlich 2016 systematisch und anhaltend überschritten und dadurch gegen die EU-Richtlinie über Luftqualität (2008/50/EG) verstoßen hat. Außerdem hat Deutschland gegen seine Verpflichtung verstoßen, rechtzeitig geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um den Zeitraum der Nichteinhaltung in den betroffenen Gebieten so kurz wie möglich zu halten. Deutschland hat darauf hingewiesen, dass sich Diesel-Fahrzeuge der Norm „Euro 5“ als besonders problematisch im Hinblick auf die Einhaltung der Richtlinie erwiesen hätten.

Gesundheitliche Auswirkungen

NO2-Belastungen und Grenzwertüberschreitungen bedeuten nicht zwangsläufig, dass Menschen dadurch erkranken oder versterben. Das Risiko für die Entwicklung von Krankheiten oder Beschwerden steigt dadurch allerdings erheblich. In einer vom Umweltbundesamt (UBA) durchgeführten Studie (Quantifizierung von umweltbedingten Krankheitslasten aufgrund der Stickstoffdioxid-Exposition in Deutschland) wurden in den Jahren 2007 bis 2014 die Auswirkungen der NO2-Hintergrundbelastungen auf die Gesundheit der deutschen Bevölkerung untersucht. Hierbei handelt es sich um eine epidemiologische Studie. Es wurden Personen, die einer hohen NO2-Konzentration ausgesetzt sind, mit Personen mit einer niedrigeren NO2-Belastung verglichen. Aus der Beobachtung kann das auf bestimmten NO2-Konzentrationen basierende Risiko zu erkranken oder zu versterben entnommen werden. Zwar können ursächliche Beziehungen durch epidemiologische Studien nicht ermittelt werden, jedoch sind Zusammenhänge zwischen NO2-Belastungen und negativen gesundheitlichen Auswirkungen abzuleiten.

Die Studie verdeutlicht die gesundheitsschädigende Wirkung von Stickstoffdioxid. Die Studie zeigt, dass die Belastung mit Stickstoffdioxid im Zusammenhang mit Krankheiten wie Diabetes mellitus, Bluthochdruck, Schlaganfällen, der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) und Asthma steht. Auch wird deutlich, dass die Gesamtsterblichkeit bei langjähriger NO2-Belastung zunimmt. Die steigende Sterblichkeit ist insbesondere auf erhöhte Zahlen von Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen sowie Lungenkrebs zurückzuführen. Neben der Entstehung von chronischen Atemwegsbeschwerden sind auch eine beeinträchtigte Lungenfunktion bei Erwachsenen bzw. ein beeinträchtigtes Lungenwachstum bei Kindern Folge der Stickstoffdioxid-Belastung.

Schätzungsweise 6.000 vorzeitige Todesfälle aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen ließen sich für das Jahr 2014 auf die NO2-Belastung zurückführen. Dies entspricht etwa 1,8 Prozent der Todesfälle des Jahres. Im Jahr 2008 lag die Zahl bei ungefähr 8.000. Zudem waren etwa acht Prozent der Diabetes mellitus-Erkrankungen in Deutschland im Jahr 2014 auf die Stickstoffdioxid-Belastung zurückzuführen. Auch etwa 14 Prozent der Asthmaerkrankungen standen in Zusammenhang mit den hohen NO2-Konzentrationen.

Berücksichtigt wurden bei der Studie lediglich die NO2-Werte des städtischen und ländlichen Hintergrunds. Dabei wurde auch deutlich, dass in Ballungsgebieten eine um 50 Prozent höhere Krankheitslast herrscht als in den Regionen, in denen lediglich die Hintergrundbelastung angewandt wurde. Dies zeigt, dass die Zahl der Erkrankungen und Todesfälle im Zusammenhang mit Stickstoffdioxid an stark NO2-belasteten Standorten erheblich höher ist.

Auch der Präsident der Eidgenössischen Kommission für Lufthygiene des Bundesrates der Schweiz hält den Zusammenhang zwischen Luftverschmutzung und schweren Erkrankungen für gegeben:

Die Luftverschmutzung verursacht akute und chronische Krankheiten wie Krebs, Atemwegs- und Herzkreislauferkrankungen und führt zu vorzeitigem Tod.

 Professor Dr. Nino Künzli

Fahrverbote und Hardware-Nachrüstungen

Als Reaktion auf die hohen Messwerte und die damit einhergehenden Gesundheitsgefährdungen wurden in den letzten Jahren zahlreiche Fahrverbote für Diesel-Fahrzeuge der Abgasnormen Euro 1 bis 4 und mittlerweile auch Euro 5 für viel befahrene Straßen oder Zonen in Deutschland eingeführt. Zum Teil wurden die Verbote bereits wieder aufgehoben, andere wiederum sind noch in Planung. Ziel der Fahrverbote ist die Verbesserung der Luftqualität in Städten mit hohem Verkehrsaufkommen. Von den Fahrverboten sind ebenfalls viele Daimler-Modelle betroffen. Erst kürzlich begannen die Rückrufe der Mercedes-Modelle Sprinter, Viano und Vito zum Zwecke der Durchführung eines Software-Updates. Das Software-Update führt jedoch nicht zur Umgehung der Fahrverbote. Wir raten Ihnen von der Durchführung eines Software-Updates ab. Gleiches gilt für die Hardware-Nachrüstung. Zwar können Fahrverbote mit einer kostspieligen Hardware-Nachrüstung verhindert werden. Allerdings können sowohl Software-Updates als auch Hardware-Nachrüstungen zu einem Leistungsabfall Ihres Fahrzeugs sowie erhöhtem Kraftstoff- und AdBlue Verbrauch führen. Haben Sie ein Rückrufschreiben für Ihr Mercedes-Fahrzeug erhalten? Oder spielen Sie mit dem Gedanken, eine Hardware-Nachrüstung durchzuführen? Lassen Sie sich von einem auf den Diesel-Skandal spezialisierten Anwalt beraten.

Wenn Sie ein vom Diesel-Skandal betroffenes Mercedes-Fahrzeug fahren, testen Sie gerne unseren Schadensrechner. Mit nur wenigen Klicks finden Sie heraus, in welcher Höhe Sie Schadensersatz für Ihr Auto erhalten können.

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Entwicklung

Seit 1990 sind NO2-Emissionen um über 60 Prozent gesunken. In einem Artikel des Umweltbundesamtes (UBA) vom 5. Oktober 2021 zeigt die Behörde auf, dass die kontrollierten Stickstoffdioxid-Konzentrationen den Grenzwert aktuell an drei Prozent der Messstationen überschreiten. Im Jahr 2016 wurde der Grenzwert von 40 µg/m³ im Jahresmittel noch an gut 57 Prozent der verkehrsnahen Messstationen überschritten. Diese positive Entwicklung zeigt, dass die Maßnahmen zur Luftreinhaltung Wirkung zeigen. Allerdings verursachen Diesel-Motoren im Verkehrsbereich mit 43 Prozent immer noch den größten NO2-Emissionsanteil. Aufgrund der gesenkten Grenzwertempfehlung durch die WHO auf 10 µg/m³ im Jahresmittel ist eine Grenzwertsenkung in Zukunft zu erwarten. Dann dürften auch Diesel-Fahrzeuge mit der Abgasnorm Euro 6 und nachgerüstete Modelle von Fahrverboten betroffen sein.

Diesel-Fahrzeuge haben in den letzten Jahren enorme Wertverluste erlitten. Wir empfehlen Ihnen, gegen die Daimler AG vorzugehen und vom Hersteller die Zahlung einer Entschädigung zu verlangen. Wir beraten Sie gerne im Rahmen eines kostenlosen und unverbindlichen Erstgesprächs.